Erste Hilfe aus dem Kühlschrank
Kein Mensch kommt normalerweise auf die Idee, persönliche und medizinische Daten ausgerechnet im Kühlschrank zu platzieren. Warum eigentlich nicht? Denn einen Kühlschrank hat jeder zuhause und findet im Notfall auch jeder.
Dies ist das Grundprinzip der SOS-Notfalldose, die die Lennestädter CDU kürzlich vorstellte und ab März kostenlos im gesamten Stadtgebiet verteilen will. Die Idee ist nicht neu, in Wenden und auch in Attendorn gibt es die Notfalldose schon.
Jede Sekunde zählt
Denn es passiert täglich: Ein Sturz oder internistischer Notfall in den eigenen vier Wänden, der Notarzt wird alarmiert. Jetzt muss alles sehr schnell gehen. Oft verstreichen wertvolle Minuten, bis der Arzt die wichtigsten medizinischen Daten wie Medikamentenplan, Blutgruppe, Vorerkrankungen, Allergien etc. zusammen gefragt hat. Denn die stecken oft in irgendwelchen Aktenordnern, die in der Aufregung kaum jemand findet. Bürger Ludger Erwes weiß es aus Erfahrung: „Mein Vater hatte einen Unfall und meine Mutter wusste gar nicht, was los war, als der Notarzt kam.“
Für solche Situationen wurde die SOS-Notfalldose erfunden. In jeder rund zehn Zentimeter hohen, runden Dose mit wasser- und luftdichtem Schraubverschluss steckt ein Vordruck-Formular. Dieses Notfall-Infoblatt mit allen wichtigen Daten für Arzt oder Rettungsdienst sollte jeder sorgfältig ausfüllen.
Um Verwechslungen auszuschließen, empfiehlt Rotkreuzleiter Winfried Erlebach, ein Porträtbild des Dosen-Inhabers aufzukleben. Die Dose samt Zettel steht immer griffbereit in der Kühlschranktür. Auf der Innenseite der Wohnungseingangstür und an der Außenseite des Kühlschranks weisen grüne Aufkleber auf die gekühlte Datensammlung hin. Die Inhaber müssen natürlich darauf achten, dass ihre Daten in der Dose, zum Beispiel der Medikamentenplan, immer auf dem neuesten Stand sind.
Verteilung ab März
Für Allgemeinmediziner Dr. Stephan Mönninghoff aus Meggen ist die Notfalldose genial einfach: „Wir Deutschen neigen ja zu High-Tech-Lösungen, aber die Dose ist deshalb eine tolle Sache, weil sie so einfach zu handhaben ist – und deshalb auch für Senioren zu händeln ist. „Weil die Lebenserwartung immer höher wird und die Häufigkeit von Demenzerkrankungen steigt, ist die Notfalldose empfehlenswert“, so Dr. Herbert Stelling, Vorsitzender der Seniorenunion in Lennestadt.
In den Gremien der Lennestädter CDU, im Stadtverband, in der Senioren-Union und in der Fraktion fand der Vorstoß von Dorothea Happe sofort Zustimmung. Schnell war auch die Finanzierung von zunächst 2500 Notfalldosen geklärt. Die 20 Mitglieder der CDU-Fraktion verzichten dafür auf einen Teil ihrer Aufwandsentschädigungen als Ratsmitglieder.
Ab März soll die kostenlose Verteilung der grünen SOS-Notfalldosen über die zehn Ortsunionen starten. Ansprechpartner in den Ortschaften sind die CDU-Ratsvertreter.
Rotkreuzleiter Winfried Erlebach ist überzeugt: „Die SOS-Notfalldose wird auch in Lennestadt ein Selbstläufer.“
Text: Volker Eberts, Foto: WP Lennestadt

